Brief des Schulleiters an die Schülerschaft

 Liebe am RLG Lernenden, 

es ist schon ein komisches Gefühl, zu Nicht-Ferien-Zeiten durch die Schulhäuser des RLG zu gehen und Euch nicht hier zu haben. Als mich gestern das rbb-Inforadio zu den Auswirkungen der Schulschließungen für die Prüfungen interviewte, war es mir ein großes Bedürfnis, trotz eines thematisch abgrenzten Bereiches genau dieses Gefühl anzusprechen. Schule ohne Euch ist leer. Mir war es ein Bedürfnis, das auch zu sagen, wer mich kennt, wird hören, wie mir an dieser Stelle die Stimme stockte: https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/int/202003/16/corona-virus-abitur-schulen-geschlossen-sekundarschulen-ralf-treptow.html 

Ich hoffe sehr, dass wir uns noch in diesem Schuljahr in einem normalen Alltag wiedersehen können. Und ich wünsche Euch und Euren Familien: Bleibt alle gesund! Im Fall einer Infizierung hoffe ich für jeden Erkrankten, dass der Krankheitsverlauf glimpflich verläuft. Leider wissen wir, dass bei einem nicht unbedeutenden Anteil der Erkrankten schwere Krankheitsverläufe auftreten und leider auch zahlreiche Todesfälle. Es gibt derzeit eben noch kein Medikament und keine Impfung. 

Ihr könnt ganz wesentlich dazu beitragen, dass der Virus nicht eine ungehemmte Verbreitung erlebt. Ich bitte Euch mit ganzem Herzen, beachtet, was wir Euch seit einigen Wochen vermittelt haben. Schaut Euch bitte nochmal das Plakat auf unserer Homepage der Webseiten des RLG an: https://www.rlo-berlin.de/cms3/124-startseite/557-coronavirus-und-schulbetrieb. Vor allem aber: Vermeidet derzeit, so schwer es fällt, soziale Kontakte! Treffen in Gruppen z.B. in Parks oder z.B. eine „Mottowoche“ in diesen Zeiten zu begehen, ist nicht notwendig und hochriskant! Lest einmal, was ein Studierender aus Italien geschrieben hat: https://www.bento.de/gefuehle/coronavirus-erasmus-student-aus-italien-appelliert-bleibt-zu-hause-a-ee134ebb-8938-4e23-a475-c2cfa7a1b1ea?utm_source=pocket-newtab

Dieser Virus breitet sich so aus, dass jeder von Euch, der den Virus schon mit sich herumträgt (und hoffentlich nicht schwer daran erkrankt) innerhalb weniger Tage bei Fortsetzung unseres bisherigen sozialen Lebens bis zu 1000 Personen infizieren würde. Der Corona-Virus hat eine exponentielle Ausbreitungsrate. Exponentielles Wachstum kann sich jeder von Euch, egal welcher Altersklasse, mit folgenden Aufgaben verdeutlichen, Ihr seid alle klug und könnt die Schlussfolgerungen ziehen: 

– Die Aufgabe „Arztwichtel ohne Grenzen“ unter https://www.mathe-im-advent.de/de/kalender/aktion/idm/ 

– Die Aufgabe mit den Reiskörnern, die sich von Schachbrettfeld zu Schachbrettfeld verdoppeln. Fängt man auf dem ersten Feld mit einem Korn an, würden auf dem Feld mehr Reiskörner liegen als die Jahresweltproduktion. 

– Die Aufgabe mit dem „Turm von Hanoi“, die einige von Euch im Enrichmentkurs „Mathematisch knobeln 5/6“ des RLG bearbeiteten. Für die Umsetzung der 64 Scheiben im Tempo von einer richtigen Umsetzung pro Sekunde würde ein Zeitraum benötigt werden, der dem 15-fachen der Zeitspanne der Existenz unseres Sonnensystems entspricht. 

Wer sich heute unverantwortlich verhält, wird es morgen bereuen. Ihr alle kennt mich (mehr oder weniger gut) und kaum jemand dürfte von mir glauben, dass ich ein Hysteriker bin. In der Froschgeschichte, die auch fast alle von mir kennen, wäre ich jetzt der Realist, der strampeln würde, aber das Glas mit „Butter unter den Füßen“ dennoch nicht verlässt. Das ist ziemlich genau derzeit meine Tagesaufgabe. 

Bis zu unserem Wiedersehen hier am RLG informiere ich weiter, wie schon seit dem 09. März, auf der den RLG-Webseiten und hoffe, Ihr fühlt Euch dadurch gut informiert. Passt auf Euch auf, seid solidarisch und folgt den Erkenntnissen. Ich warte im alten, ohne Euch „grauen Haus“ an der Kissingenstraße auf Euch. Ich will Euch alle gesund (und nicht trauernd um Familienangehörige oder Bekannte) wiedersehen.

Euer Schulleiter 

Ralf Treptow